Selbstversuch: Verpackungsfrei einkaufen und leben

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Wie kann ich Zero Waste umsetzen und verpackungsfrei einkaufen und leben?

Ein minimalistischer Lebensstil reduziert zwar sowohl den Besitz als auch den Müll, trotzdem ist es erschreckend, wie viel Müll ich Tag für Tag produziere. Kann ich dies vermeiden?

Ja, man kann es vermeiden: Die in Amerika lebende Französin Bea Johnson führt seit 2006 einen „Zero Waste“- Haushalt: Ihre vierköpfige Familie produziert pro Jahr nur ein Einmachglas mit Müll.

Als Single müßte zumindest eine Reduktion meines Mülls möglich sein. Doch wie kann ich es umsetzen?

Die 5 R’s dienen nach Bea Johnson als Orientierung:

Bea JohnsonMinimalismus

Bea Johnson: Die 5 R’s

  1. Refuse: Sie schreibt, man solle alles ablehnen, was man nicht benötigt. Als Beispiele nennt sie: Werbung, Werbegeschenke, Plastiktüten, -besteck oder -flaschen. Diese seien auf den ersten Blick kostenlos, allerdings verursache man durch sie zusätzlichen Müll.
  2. Reduce: Man solle alles reduzieren, was man nicht oder nicht mehr benötigt.  Der vorhandene Besitz solle durch Ausmisten reduziert werden, der Konsum überdacht und Aktivitäten, welche zu mehr Konsum führen, gemieden werden.
  3. Reuse: Beispielsweise sollen wiederverwendbare Verpackungen verwendet werden, sowie bei Neuanschaffungen Sharing-Systeme oder gebrauchte Sachen bevorzugt und der nicht mehr benötigte eigene Besitz ausgebessert, repariert oder wiederverwendet werden.
  4. Recycle: Man solle alles, was man nicht mehr benötigt und weder ausbessern, reparieren noch wiederverwenden kann, recyceln.
  5. Rot: Falls es nicht mehr recycelbar sei, solle man es kompostieren.

Auf meinen Reisen oder in meinen Mietwohnungen sortiere ich meinen Müll, das Recyclen und Kompostieren überlasse ich allerdings den jeweils zuständigen Behörden. Ich werde mich daher auf die ersten 3 R’s konzentrieren.

Der Minimalismus überschneidet sich in meinen Augen mit der Zero-Waste-Bewegung.

Meine Erfahrungen und Tipps zu den folgenden Themen, finden Sie daher auf anderen Seiten von mir: 

Neben diesen Startseiten, gibt es natürlich noch Seiten und Beiträge von mir, wie man den Minimalismus im Detail lebt. 

Dieser Beitrag hat daher einzig die Müllvermeidung zum Thema. 

Wie kann ich konkret bei meinen Einkäufen Müll vermeiden?

Der erste Schritt: Die Planung

Größere Anschaffungen

  • Ich verwende Sachen möglichst wieder oder verkaufe, verschenke oder spende sie.
  • Vor Neuanschaffungen überlege ich, ob ich es wirklich benötige.
  • Notwendiges kaufe ich zum Teil gebraucht, ich teile es oder nutze die digitale Version.
  • Nachdem ich ausgemistet habe und nur noch das besitze, was ich benötige, ersetze ich Sachen nur noch und achte auf Langlebigkeit und Multifunktionalität.
  • Aber: Es ist nicht umweltfreundlich, intakte Sachen aus Plastik zu entsorgen und durch andere zu ersetzen. Falls Sie z.B. Vorratsdosen aus Plastik haben, sollten Sie diese NICHT wegwerfen und durch Gläser ersetzen. Ausschließlich falls die Neuschaffung oder der Ersatz NOTWENDIG ist, sollten Sie die plastikfreie und umweltfreundliche Variante kaufen.

Der wöchentliche Einkauf

  • Ich brauche Reste möglichst auf.
  • Ich gehe nur einmal die Woche in möglichst wenige Geschäfte einkaufen.
  • Ich erstelle einen Wochenplan sowie eine Einkaufliste. 
  • Ich lasse mich nicht von Werbung oder Schnäppchen blenden und kaufe ausschließlich das, was auf meiner Liste steht.

Der zweite Schritt: Ich nehme möglichst wiederverwendbare Verpackungen mit oder verzichte auf sie.

Lebensmittel

Ich setze bereits um:

  • Ich nehme eine waschbare und wiederverwendbare Einkauftasche mit.
  • Ich kaufe Eier lose im Bio-Supermarkt und verwende eine Eierverpackung immer wieder.
  • Ich benutze Pfandbehälter für Milch, Joghurt und Sahne.
  • Ich kaufe Kräuter, Obst und Gemüse ohne Verpackung im Bio-Supermarkt.
  • Für Brötchen verwende ich ein wiederverwendbares Stoffsäckchen.
  • Marmelade erhalte ich (wieder) von meinen Verwandten im wiederverwendeten Einmachglas.
  • Nudeln von Barilla, Mehl und Zucker kaufe ich in Papierverpackung.
  • Kakao, Tee und Kaffee kaufe ich in Papierverpackung im Bio-Supermarkt. Sie haben allerdings jeweils ein kleines Sichtfenster aus Plastik. Der Tee ist lose, daher fallen keine Teebeutel an. Ich verwende eine French Press zum Aufbrühen des Kaffees, daher fallen keine Kaffeefilter oder sonstiger Müll an.
  • Honig, Rotkraut, Gurken, Öl, Essig und Soßen kaufe ich im Glas.

Test Erfahrungsbericht Ohne-Laden Muenchen

Ich verzichte auf:

  • Ich koche selbst und verzichte auf Fertigprodukte.
  • Bis auf wenige Ausnahmen verzichte ich auf Süßigkeiten, Schokolade und Chips.
  • Ich kaufe keine Getränke in Glas- oder Plastikverpackung. Ich trinke Tee oder Kaffee und greife unterwegs zu einer wiederverwendbaren Smoothie-Flasche aus Glas mit Wasser.
  • Ich benutze eine Lunchbox.
  • Zum Kaffee kochen verwende ich eine French Press von Bodum. Nicht nur der Geschmack des Kaffee ist besser, ich benötige auch weder Kaffeefilter noch -kapsel. Als Müll fällt nur Kaffeesatz an.

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Ich könnte noch umsetzen:

  • Sobald meine Einkaufstasche nicht mehr zu flicken ist, werde ich eine Tasche verwenden, welche ich aus einer alten Jeans genäht habe.

 

 

 

 

 

 

 

  • Falls ich meine alten Vorratsdosen aus Plastik ersetzen muss, werde ich Vorratsgläser kaufen.

Minimalistisch Einrichten

  • Man könnte Fleisch, Fisch und Käse in Vorratsdosen einkaufen oder hierauf verzichten. Die Verwendung von Dosen wird aus Hygienegründen allerdings nicht überall akzeptiert. Im verpackungsfreien Supermarkt in München gab es weder Fisch noch Fleisch und Käse ist nur an sehr seltenen Aktionstagen erhältlich.
  • Butter gibt es in verpackungsfreien Supermärkten oft in Pfandbehältern. Falls man Zeit hat, kann man Butter auch selbst herstellen. Die Anleitung finden Sie hier.
  • Schokolade, Nudeln, Tee und Kaffee werden in verpackungsfreien Supermärkten ohne Verpackung verkauft.

Kosmetik und Körperpflege

Ich setze bereits um:

  • Meinen defekten Kamm aus Plastik habe ich durch einen Kamm aus Holz ersetzt. Es gibt auch Kämme aus Horn (z.B. von Manufactum) ersetzen. 

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  • Zum Händewaschen verwende ich eine Seife aus dem Bio-Supermarkt. Sie wird lose verkauft, allerdings befindet sich auf der Rückseite ein Aufkleber aus Plastik. Im Drogeriemarkt gibt es Seife in Papierverpackung.
  • Statt eines Einwegrasierer verwende ich einen Epilierer mit einem zusätzlichen Rasierkopf von Braun. Dieser ist zwar aus Plastik und verbraucht Strom, er hält aber jahrelang ohne Müll zu produzieren. Falls ich ihn irgendwann ersetzen muss, könnte ich über die Anschaffung eines Rasierhobel aus Metall, eines Rasierpinsel aus Holz und Rasierschaums nachdenken, ein Hobel entfernt allerdings die Haare nur sehr kurzfristig. Man kann die Haare auch mit Zucker („Sugaring“) günstig, umweltfreundlich und dauerhafter entfernen:
  • Ich verwende einen Waschlappen zum Waschen des Gesichts. Um Zeit und Geld zu sparen, verreise ich nur mit Handgepäck, ich habe mir daher einen platzsparenden und waschbaren Abschminkpad gekauft. 

 

 

 

 

 

 

 

  • Auf Zahnseide verzichte ich, diese hat nach neusten Erkenntnissen keinen medizinischen Nutzen. Zahnpflegekaugummis können das Zähneputzen nicht ersetzen.
  • Eine Creme verwende ich nur, falls meine Haut ihrer als Sonnenmilch im Sommer oder im Winter als Feuchtigkeitsspender wirklich bedarf. Meine Haut ist seitdem rosiger und weniger trocken.
  • Als Maske verwende ich regelmäßig Quark und Honig, diese ist für meine Haut am wirkungsvollsten.
  • Ich verzichte auf Tempos in Plastikverpackung und kaufe eine Taschentücherbox mit Tüchern aus 100% Recyclingfasern in Papierverpackung  im Drogeriemarkt. Achten Sie bei Ihrem Einkauf darauf, dass die ganze Verpackung nur aus Papier besteht. Unterwegs verwende ich einzelne Tücher in einem Stoffsäckchen. Man könnte auch wiederverwendbare und waschbare Stofftaschentücher verwenden, dies ist aber aus Hygienegründen bedenklich.
  • Als Toilettenpapier teste ich eine Taschentücherbox mit Tüchern aus 100% Recyclingfasern in einer Papierverpackung aus dem Drogeriemarkt. Noch umweltfreundlicher ist sicherlich eine Brause. Das Toilettenpapier durch wiederverwendbare und waschbare Tücher zu ersetzen, ist sicherlich umweltfreundlich, begeistert mich allerdings nicht. Es gibt auch Toilettenpapier in Papierverpackung z.B. von Naturlieferant, dieses ist allerdings sehr viel teurer als die Kosmetiktücher von DM, welche ebenfalls nur in Papier verpackt sind.

Ich könnte noch umsetzen:

  • Ich könnte eine Holzzahnbürste aus dem verpackungsfreien Supermarkt verwenden. Hierdurch würde ich allerdings sehr viel mehr Geld ausgeben und lediglich meinen Plastikverbrauch reduzieren, aber mehr Holz verbrauchen.
  • Ich könnte eine Körperseife verwenden, welche lose verkauft wird.
  • Eine Menstruationstasse aus dem verpackungsfreien Supermarkt könnte OBs ersetzen.
  • Man könnte Zahnpastatabletten in einem verpackungsfreien Supermarkt kaufen oder sie selbst herstellen. Eine Anleitung finden Sie hier.
  • Man könnte Haarshampoo durch Haarseife ersetzen. Das Ergebnis war allerdings für mich nicht überzeugend.
  • Ich könnte darauf verzichten, mich zu schminken oder Kosmetika selbst herstellen. Anleitungen finden Sie zum Beispiel hier.

Kleidung

Legen Sie Wert auf Qualität statt Quantität und kaufen Sie zeitlose Kleidung. 

Putzmittel

Ich habe bereits umgesetzt: Meine Wasch- und Reinigungsmittel habe ich deutlich reduziert. Spezialreiniger und -waschmittel sind nicht wirkungsvoller.

  • Ein Color- sowie ein Wollwaschmittel für Wolle und Seide: Weiße Wäsche habe ich nicht mehr, da ich als Single möglichst wenige Waschladungen bevorzuge. Auf ein spezielles Waschmittel für dunkle Wäsche verzichte ich, es erhält die Farbe nicht besser als ein Colorwaschmittel.
  • Eine schwarze Schuhcreme in einer Blechdose
  • Handschuhe
  • Waschbare Geschirr- und Putztücher 
  • Essig hilft gegen Fett, Kalk und Rost. Allerdings sollte Essig nicht für das Reinigen von Natursteinböden, Silikonfugen und Gummidichtungen verwendet werden. Ich greife daher hier zu Zitronensaft. Sinnvoll ist es, eine alte Sprühflasche aufzuheben.

Putzen

Ich könnte noch umsetzen:

  • Ich werde als Putzlappen alte Handtücher und bei Bedarf alte Kleidung wiederverwenden.
  • Ich könnte das Spül- und Putzmittel durch Flüssigseife ersetzen. Flüssigseife kann ich mit Seife und Wasser selbst herstellen. Die Anleitung finden Sie hier. Auf Reisen musste ich sowohl für den Abwasch, für das Saubermachen als auch für die Handwäsche schon oft auf Flüssigseife zurückgreifen. Ich war anfangs sehr skeptisch: „Man liest, hört und sieht doch immer, dass man … braucht.“ Doch Probleme gab es nie. Selbstverständlich muss man, sowohl beim Abwasch als auch beim Waschen, die Seife wieder mit Wasser gründlich entfernen, aber dies ist auch bei Spül- und Waschmittel der Fall. Auch diese verfeinern nicht die Speisen oder Getränke bzw. riechen und hinterlassen Spuren auf der Kleidung.
  • Man könnte keine Handschuhe verwenden.

Fazit

Eine erhebliche Reduktion meines Mülls ist schnell und problemlos für mich umzusetzen.

Man kann Geld sparen, falls man verpackungsfrei lebt. Allerdings nicht, falls man im verpackungsfreien Supermarkt einkauft oder im Internet bei speziellen Shops bestellt. Ich war entsetzt, wie hoch die Preise waren. Die Bio-Produkte im Basic-Bio-Supermarkt waren bei allen Produkten sehr viel günstiger.

Damit ich nur noch ein Einmachglas mit Müll produziere, müßte ich seßhaft werden sowie Kompromisse beim Schminken und bei der Hygiene eingehen. Auch der betriebene Aufwand widerspräche zum Teil meinem minimalistischen Lebenstil und würde mein Leben weder vereinfachern noch verbessern. Ich werde  aber weiterhin nach praktikablen und preisgünstigen Lösungen suchen, welche meinen Müll noch weiter reduzieren.

Weiterführende Beiträge, Literatur und Links

Das Buch  „Zero Waste Home Glücklich leben ohne Müll!: Reduziere deinen Müll und vereinfache dein Leben“ von Bea Johnson finden Sie hier.

Ihre Homepage finden Sie hier.

Meinen Vergleich der der Umsetzbarkeit und Preise im verpackungsfreien und Basic-Bio-Supermarkt und im  finden Sie hier.